Das Kinderdorf Amparo
„Niemand begeht einen größeren Fehler als der, der nichts tut, weil er meint, nur wenig tun zu können.“
Dieser Satz des englischen Schriftstellers Edmund Burke stand am Anfang unserer Arbeit im Jahr 1968 - und begleitet sie auch heute noch. Damals fand ein deutsches Ehepaar in der Nähe von Amparo (Bundesstaat Rio de Janeiro) ein ausgesetztes Baby. Gemeinsam mit dem Spiritanerpater Hermann - Josef Wüste und einigen Freunden stellte es sich nicht die Frage: Wo kann das Kind „abgegeben“ werden, wir können ja doch nichts tun? sondern: „Wie können wir diesem und anderen Kindern in ähnlichen Situationen wirksam helfen?
Daraus entstand aus kleinen, bescheidenen Anfängen
unser erstes Kinderdorf Amparo. Im Laufe der Zeit wurden sechs Familienhäuser gebaut, in denen etwa 80 Kinder leben. Sie finden außer der materiellen Versorgung vor allem ein Familienleben mit Mutter und Vater. Nach und nach entstanden außerdem ein Gemeinschaftszentrum, eine achtklassige Grundschule, Räume für die Erwachsenenbildung, eine Kapelle, ein ärztlicher Behandlungsraum einschließlich einer kleinen Apotheke sowie ein Sport- und Spielplatz. Außerdem gibt es inzwischen eine Schreinerei, eine eigene Gemüseversorgung sowie eine Kaffee - und Bananenplantage. So wird unseren Kindern neben der schulischen und beruflichen Ausbildung auch die Möglichkeit zu praktischer Mitarbeit angeboten - z.B. beim Anbau von Gemüse oder in der Schreinerei.
Diese Erfahrungen sollen ihnen später den Start ins Berufsleben erleichtern. Der Sinn dieser Berufsvorbereitung ist jedoch noch ein weiterer: Durch den Anbau landwirtschaftlicher Produkte wird die Eigenversorgung der Menschen im Kinderdorf gefördert. Für uns ist das christliche Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ sehr wichtig. Entwicklungshilfe darf nicht dazu führen, Abhängigkeiten von fremder Hilfe zu schaffen. Unser Kinderdorf soll kein isoliertes „Paradies“ darstellen. So steht das Gemeinschaftszentrum nicht nur den Bewohnern von Amparo zur Verfügung, sondern auch den Menschen aus der Umgebung. Ebenso verhält es sich mit der dorfeigenen Schule, die sowohl von unseren Kinderdorfkindern als Jugendlichen des Ortes Amparo besucht wird.






