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Das Kinderdorf Centenário


 Vanderley war seit seinem sechsten Lebensjahr auf der Straße und überlebte durch Betteln. Er Centenáriowurde mehrfach von der Polizei aufgegriffen und in statliche Waisenhäuser eingewiesen, aus denen er immer wieder ausriss. Im Alter von acht Jahren kam Vanderley in unser Kinderdorf Centenário; er schildert seine ersten Eindrücke:

„Die Zeit war am Anfang gar nicht schön. Ich sehnte mich zurück nach dem freien Leben auf der Straße, wo mir niemand Vorschriften machte. Es war sehr schwer für mich, in einer Familie zu leben. Ich konnte mich nicht daran gewöhnen, Rücksichten zu nehmen, im Haushalt zu helfen, morgens gemeinsam mit den anderen Kindern aufzustehen und am Abend früh ins Bett zu müssen. Nach einigen Monaten bin ich wieder Kindergruppeabgehauen. Ich wollte meine Freiheit! Doch die Situation auf der Straße hatte sich verschlimmert. Es war sehr schwer, einen trockenen Schlafplatz zu finden. Das Betteln brachte nichts. Der Hunger wurde unerträglich. Ständig war ich auf der Flucht vor der Polizei. Nach einigen Wochen bin ich freiwillig ins Kinderdorf zurück gekehrt — und wurde wieder aufgenommen.“

Ein Schicksal von vielen. Im Kinderdorf Centenário, zu dem wir 1985 den Grundstein legten, leben derzeit in sieben Familienhäusern etwa 80 Kinder. Das Dorf hat außerdem ein großes Gemeinschaftszentrum, einen Kindergarten, eine Schreinerei sowie Landwirtschaft, deren Schwerpunkte im Centenário_2Gemüseanbau, der Schweinezucht und der Milchproduktion liegen. Wir sind stolz darauf, dass die Produkte dieser Landwirtschaft nicht nur Teile des Eigenbedarfs decken, sondern auch auf den Märkten der Umgebung verkauft werden und so in bescheidenem Maße zur Finanzierung unserer Arbeit beitragen.

Im Jahr 1992 haben wir auf dem Gelände des Kinderdorfes eine Gesundheitsstation gebaut und eingerichtet, deren ärztliche Dienste auch der Bevölkerung der umliegenden Dörfer zu Gute kommen.